Factoring stützt den Export

Raiffeisenzeitung Ausgabe Nr. 27, 2. Juli 2015

Mag. Andreas Bene

Immer mehr Unternehmen nutzen Factoring bei ihren Auslandsgeschäften und sichern sich damit viele Wettbewerbsvorteile.

Österreichs Exportwirtschaft ist eine Erfolgsgeschichte und hat sich als stabile Säule in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erwiesen. Rund 47.000 heimische Unternehmen tätigen einen Teil ihrer Geschäfte im Ausland – Tendenz steigend. Im Jahr 2014 wurden Waren im Wert von 127,9 Mrd. Euro exportiert und damit in den letzten drei Jahren Zuwächse von 3,5 Prozent erzielt.

Unumgänglich für alle Betriebe, die ihre Chancen im Export nutzen wollen, ist die Absicherung gegen mögliche Risiken. Eine einfache und sehr effektive Möglichkeit der Absicherung gegen Exportausfälle ist Factoring. „Gerade wenn neue Märkte erschlossen werden und die Geschäftsbeziehungen zu den ausländischen Abnehmern noch nicht lange bestehen, profi tiere ich besonders von dieser Absicherung“, weiß Andreas Bene, Vorstandsdirektor der Raiffeisen Factor Bank.

Beim Export-Factoring werden die Exportforderungen durch eine heimische Factoringbank angekauft und fi nanziert. Damit werden sie zu Inlandsforderungen und der österreichische Lieferant ist vor Zahlungsausfällen des ausländischen Abnehmers geschützt, da er sein Geld vom Factor erhält.

Der Siegeszug
Export-Factoring wird in Österreich bereits seit langer Zeit angeboten, aber erst jetzt etabliert sich diese Finanzierungsform. „Wir haben das Produkt spezifi sch auf die Bedürfnisse der Exportwirtschaft ausgerichtet. Der Kaufvertrag ist einfach, die Kosten sind transparent und die Abwicklung ist voll automatisiert“, begründet Bene den „Siegeszug“ des Export- Factorings.

Im vergangenen Jahr hat sich das Volumen des Export- Factorings bei der Raiffeisen Factor Bank verdoppelt. „Der Anteil der Exportforderungen am Gesamtvolumen der Raiffeisen Factor Bank beträgt 51,2 Prozent und ist damit ein exaktes Spiegelbild der österreichischen Volkswirtschaft, deren Exportquote 2014 bei 53,4 Prozent lag“, berichtet Bene.

Export-Factoring sei für alle Unternehmen, die auf ausländischen Märkten aktiv sind, eine große Chance, erklärt Bene. Grundvoraussetzung sind gewerbliche Abnehmer und die Waren müssen geliefert bzw. die Dienstleistungen erbracht worden sein. Mit Ausnahme der Bauwirtschaft bzw. Wirtschaftszweigen, in denen teilverrechnet wird, sind Produktions- und Handelsunternehmen aller Branchen geeignet. Zu den wichtigsten Kundengruppen der Raiffeisen Factor Bank zählen Autozulieferindustrie, Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Kunststoffverarbeitung, Metall- und Textilindustrie.

Gerade Großunternehmen mit bester Bonität hätten Export- Factoring für sich entdeckt, erklärt der Vorstandsdirektor: „Sehr viele Kunden nutzen Factoring nicht im Sinne der Absicherung, sondern aufgrund der vielen anderen Vorteile, die andere klassische Exportfi nanzierungen so nicht bieten. Export- Factoring geht aber weit über die Finanzierung hinaus.“

Einfache Liquiditätsplanung
Durch den Verkauf der Forderungen erhalten die Unternehmen sofort ihr Geld vom Factor und können so ihre Liquidität optimal steuern. „Aus langen Zahlungszielen wird Liquidität in wenigen Stunden. Wir bieten die schnellste Liquidität“, betont Bene. Gerade bei Geschäften mit ausländischen Abnehmern, die es gewohnt sind, lange Zahlungsziele in Anspruch zu nehmen, bringt das enorme Vorteile. Die so gewonnene Liquidität bietet die Möglichkeit weiteres Wachstum zu fi nanzieren und saisonale Umsatzschwankungen auszugleichen. Die Liquidität wächst mit dem Umsatz und passt sich so fl exibel dem Finanzierungsbedarf an. Die Vereinfachung der Liquiditätsplanung sei mit ein Grund für die steigende Nachfrage bei Export-Factoring.

Durch den Verkauf der Forderungen kann Factoring zusätzlich zu einer Verkürzung der Bilanz führen, was wiederum vorteilhafte Auswirkungen auf wichtige Finanzkennzahlen wie die Eigenmittelquote hat. Gerade in Zeiten von Basel III ist Factoring somit ein bedeutendes und effi zientes Instrument, um die Bonität und das Rating des Unternehmens zu verbessern.

Ungebrochener Trend
Aufgrund der vielen Vorteile geht man von einem anhaltend dynamischen Wachstum aus: „Wie auch beim normalen Factoringgeschäft rechnen wir zumindest mit einer Verdoppelung des Volumens in den nächsten drei Jahren. Für Raiffeisen ist das eine ganz große Chance.“

Im internationalen Vergleich hinkt Factoring in Österreich mit einer Durchdringung von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts noch deutlich hinterher. Der EU-Schnitt liegt bei 10 Prozent des BIP; Spitzenreiter ist England mit einem Anteil von 16 Prozent.

„Gerade wer auf internationalen Märkten aktiv ist, steht im pausenlosen Wettbewerb mit ausländischen Abnehmern, die Factoring schon lange nutzen“, weiß Bene. Findige Unternehmen nutzen Factoring etwa auch zur Verlängerung der Zahlungsziele und können somit ihre Abnehmer erfolgreich binden.

Quelle: Raiffeisenzeitung Ausgabe Nr. 27, 2. Juli 2015 - Author: Elisabeth Hell