Factoring – ein Wachstumsmarkt

Export Today Ausgabe 24/2014: "Export Factoring"

© New Business Andreas Bene, Vorstand der Raiffeisen Factor Bank, erklärt im Gespräch mit NEW BUSINESS die Vorteile von Factoring für österreichische Export-Unternehmen.

 

Verständliches Produkt, einfacher Ablauf und klare Kundenvorteile wie die Absicherung auf Exportmärkten gegen Kundenausfälle sind wesentliche Gründe für den Nachfrageboom bei Factoring. Mit einem Zuwachs von 70% (!) in den letzten 3 Jahren wächst Factoring unter allen Finanzierungsformen prozentuell am stärksten.

Herr Bene, was ist Export Factoring und wie kann ein österreichisches Unternehmen im Exportgeschäft von Factoring profitieren?

Andreas Bene: Export Factoring ist der Ankauf und die Finanzierung von Exportforderungen durch eine Factoringbank. Gerade wenn neue Märkte erschlossen werden und die ausländischen Abnehmer noch nicht lange bekannt sind, eignet sich ein Forderungsverkauf zur Absicherung etwaiger Ausfälle. Oftmals kommt das Problem der Rechtsverfolgung im Ausland dazu, das sehr langwierig sein kann. Auslandsforderungen werden durch ihren Verkauf über Factoring somit zu Inlandsforderungen. Neben der Absicherung spielt aber auch die Liquiditätssicherung im Export eine große Rolle. Viele ausländische Abnehmer sind es gewohnt, lange Zahlungsziele in Anspruch zu nehmen. Mit Factoring hat der Exporteuer jedoch sein Geld sofort. Auf den Punkt gebracht: Aus Forderungen mit langen Zahlungszielen wird Liquidität in wenigen Stunden.

Was sind die wesentlichen Gründe für die steigende Nachfrage nach Factoring? Warum entscheiden sich mehr Unternehmen für Factoring?

Andreas Bene: Das Prinzip Factoring ist einfach: Ein Unternehmen verkauft seine Forderungen und kann damit sein Wachstum sofort finanzieren, saisonale Umsatzschwankungen aus gleichen und durch die Verkürzung seiner Bilanz sein Rating verbessern. Zusätzlich bietet Factoring bedarfsgerechte Liquidität, die Liquidität wächst flexibel mit dem Umsatz,  ist somit eine umsatzkonforme Finanzierung. Österreich schließt sich damit dem internationalen Trend an. Erfolgreiche Unternehmen, verkaufen neben ihren Produkten und Dienstleistungen auch ihre Forderungen.

Überall ist von geringer Kreditnachfrage die Rede. Gleichzeitig aber steigt das Interesse für Factoring. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Andreas Bene: Die aktuellen Zahlen belegen dieses Interesse an Factoring sehr deutlich. Mit einem Wachstum von rund 30% im Vorjahr ist der österreichische Factoringmarkt, gemessen am angekauften Forderungsvolumen, wiederum signifikant gestiegen. Erfreulicherweise konnte die Raiffeisen Factor Bank im Vorjahr ein Umsatzwachstum von 50% erzielen. Aus unserer Sicht ist die innovative Finanzierungsform Factoring in Österreich relativ spät entdeckt worden, umso schneller geht nun das Nachziehen auf das Niveau vergleichbarer europäischer Länder. Aktuell beträgt der österreichische Factoringmarkt über vierzehn Milliarden Euro und hat da mit immer noch viel Wachstumspotential verglichen zum internationalen Durchschnitt. Tatsächlich kommt der größte Zuwachs von Unternehmen mit bester Bonität, die von einer Kennzahlenverbesserung durch Factoring profitieren wollen.

Ist Factoring nicht teuer? Was kostet Factoring einem Exporteur?

Andreas Bene: Factoring hatte lange Zeit den Ruf teuer zu sein und war es wahrscheinlich auch bis vor zehn Jahren. Heute ist das nicht der Fall, sonst gebe es das Wachstum in diesem Ausmaß sicherlich nicht. Die Kosten für Factoring sind sehr transparent: Der Kunde bezahlt einerseits die Finanzierung - die Zinsen entsprechen im Wesentlichen denen eines klassischen Betriebsmittelkredites. Andererseits fällt die Factoringgebühr für die Abwicklung an, diese beträgt einen Promillesatz vom Umsatz, angepasst an den Aufwand und den Umfang der Abwicklung. Dass die Kosten für Factoring sehr wettbewerbsfähig sind, zeigt alleine die steigende Nachfrage durch Großunternehmen und internationale Konzerne, die ja sehr konditionensensibel sind.

Was können Sie österreichischen Exporteuren empfehlen?

Andreas Bene: Ich bin beruflich sehr viel in Österreich unterwegs und jede Woche von österreichischen Exportunternehmen beeindruckt, die mit einer unglaublichen Professionalität international agieren und weltweit Kundenbeziehungen aufgebaut haben. Ich glaube, dass Factoring ein wichtiger Baustein für diese Unternehmen sein kann, zumindest sollte man sich das Thema ansehen und intern prüfen. Am Ende haben die Unternehmen, die mittels Factoring laufend Kosten, Risiko und Zeit sparen können, eindeutige Wettbewerbsvorteile.

Quelle: EXPORT Today Ausgabe 24/2014 (2,5 KB)